Wien, April 2008, mein zweiter Marathon.

In München hatte ich gelernt, dass ich es kann.
In Wien wollte ich lernen, wie ich erfolgreich werde.

„Steady pace wins the race.“
Gleichmäßiges Tempo, der eigenen Ungeduld widerstehen. 3:25:37, Pace 4:52, stabil zwischen 4:42 und 4:59 bis Kilometer 30.

Ab Kilometer 24 die Brückenauffahrten am Donaukanal: wellenförmig, zermürbend. Kein einzelner Anstieg steil genug, um zu scheitern, stattdessen bringt jeder eine neue Welle hoch... und das Ziel ist längst nicht in Sicht.

Tempo halten... Weiterlaufen...

15 Jahre Gymnasiallehrer, Mathematik, Sport und Informatik, ... in einem System, das Menschen auffrisst — Lehrer wie Schüler.
Ich habe Jahre gebraucht, um zu verstehen, was es mit mir gemacht hat... Funktionieren müssen, bis nichts mehr funktioniert.

Irgendwann war klar, mein Weg würde raus aus dem System führen. Nur wohin, das war nicht zu sehen.

Rückblende
Eine Kollegin sprach anders als wir alle — aufmerksamer, fragender. Ich wollte verstehen, weshalb, und begann die Beratungslehrer-Ausbildung. Befinde ich mich auf dem richtigen Weg? Noch keine Antwort, die Umgebung hat sich definitiv verändert... Weiterlaufen.

Dann 11 Monate Südamerika, über 7 davon mit Rucksack und Zelt. Kann ich „allein mit mir“ nach Jahren des „Funktionierens“? Noch keine Antwort... Weiterlaufen.

Dann die Systemische Coaching-Ausbildung. Wird das nach einem Ausstieg tragen? Noch keine Antwort... Weiterlaufen.

Der Weg zu jeder Station eine Brückenauffahrt, jeder brachte neue Zweifel hoch... und das Ziel war nicht zu sehen.

Dann der letzte Akt:
Als Beamter kannst Du nicht kündigen – Du bittest um Deine Entlassung.
An der Entscheidung hatte ich nie gezweifelt.
Die Frage war eine andere: Findet sich etwas, das in die Richtung geht, die mich zufrieden macht mit dem, was ich tue?

Sechs Jahre vom ersten Schritt bis zu diesem Moment... Ohne das Ziel je gesehen zu haben.

Wer mich damals fragte „Welche Auswirkungen hat das auf Deine Rente?“ zeigte mir vor allem eines:
Wie weit ich mich bereits davon entfernt hatte, was andere für „normal“ halten.

Steady pace. Weiterlaufen. Auch ohne Ziel in Sicht.

Ich dachte, dieser Lauf sei einmalig. Sieben Jahre später stand ich erneut am Start.

Gleichmäßiges Tempo gewinnt Dein Rennen: Es bringt Dich ins Ziel.